Mitverschulden einer Radfahrerin beim Unfall wegen fehlenden Helms

Die Klägerin war am 07.04.2011 mit ihrem Fahrrad unterwegs und trug dabei keinen Fahrradhelm. Die Beklagte parkte ihr Auto am Straßenrand und öffnete direkt vor der Klägerin die Fahrertür, wobei die Klägerin nicht mehr ausweichen konnte und gegen die Fahrertür fuhr. Sie stürzte nach der Kollision zu Boden. Dabei erlitt sie schwere Schädel-Hirn-Verletzungen und musste mehr als 2 Monate im Krankenhaus behandelt werden.

Es ist unstreitig, dass die Beklagte den Unfall verursacht hat. Sie haftet zusammen mit ihrer Kfz- Haftpflichtversicherung als Gesamtschuldner. Die Beklagte sind verpflichtet den entstandenen Schaden der Klägerin zu ersetzen. Die Beklagten sind jedoch der Meinung, dass die Klägerin für den ihr entstandenen Schaden mitverantwortlich zu 50% sei, weil sie keinen Helm getragen hat. Eine gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer besteht jedoch nicht. Die Beklagte sollte sich beim Aussteigen vom Fahrzeug so verhalten, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Vor dem Öffnen der Fahrertür sollte sie also den rückwärtigen Verkehrsraum beobachten zum Beispiel durch Blicke in den Rück- und Außenspiegel und nach hinten über die Schulter, um festzustellen, ob sich jemand von hinten nähert. Dies hat sie nicht getan. Es ist aber allgemein anerkannt, dass das Risiko von Kopfverletzungen beim Fahrradfahren durch das Tragen eines Helmes vermindert werden kann. Daher kann ein Mitverschulden des Fahrradfahrers begründet werden auch wenn keine ausdrückliche gesetzliche Helmpflicht besteht.

Dies ist dann der Fall wenn der Radfahrer diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflegt. Ein Radfahrer muss sich insoweit so verhalten, was sich nicht nur durch die geschriebenen Regeln der Straßenverkehrsordnung bestimmt, sondern auch durch die konkreten Umstände und Gefahren im Verkehr, um Gefahren zu vermeiden. Durch Sachverständigengutachten wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Schädelbruchs verringert wäre, wenn die Klägerin einen Schutzhelm getragen hätte. Das Nichttragen des Helmes war also für die eingetretenen Kopfverletzung ursächlich. Die Kosten des Rechtsstreits tragen also die Beklagten zu 80% und die Klägerin zu 20%.

Urteil Az. 7 U 11/12 OLG Schleswig vom 5.06.2013